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Review: Alpha Omega – Gaia

12 Dez Gaia - Cover

In Berlin kennt man Alpha Omega bereits von einigen tollen Live-Auftritten, außerhalb der Stadtmauern sind vielleicht einige Netzdetektive schon über diesen vielversprechenden aufgehenden Stern gestolpert, und womöglich hat der ein oder andere bereits die selbst produzierte EP in seiner Sammlung. Wer diese Scheibe irgendwie geil, aber auch etwas monoton fand, wird vielleicht nun das erste, ebenfalls selbst produzierte Album Debüt „Gaia“ lieben.

Was die Truppe um Sängerin Lea Moonchild und Gitarrist Chriss auf Gaia abliefert, ist eine wahre Freude. Auf die häufigste Kritik in Bezug auf die sich sehr ähnelnden Songelemente und den häufigsten Wunsch der YouTube-Gemeinde, mehr von Leas Solo-Qualitäten sollten auch in die Band einfließen, wurde zu 100 Prozent eingegangen, aber dies ist noch längst nicht alles. Neue Sounds, neue Riff-Ideen, mehr Piano, ein geringerer Fokus auf die Growls, neue Phrasierungen und ein riesiger Sprung in der Vielfalt des Klargesanges und dem Songwriting, welches die Gitarren deutlich mehr einbindet, und der häufigere Tritt auf die Bremse machen das Debütalbum abwechslungsreicher, einer größeren Hörergemeinde zugänglicher und mir vor allem noch viel mehr Spaß im Vergleich zur selbst betitelten EP. Es ist eine Annäherung an die großen Vorbilder The Architects, ohne zu einem bloßen Klon mit weiblichem Leitgesang zu tendieren.

Mit dem Bandnamen Alpha Omega und dem Albumtitel Gaia wird ein Hang zur Symbolik überdeutlich. Dies setzt sich mit offensichtlichen Symbolen in den Texten, wie Atlantis oder Gaia, aber auch weniger augenscheinlich in Alien, False Prophet, Fragile Soul, oder Empty Silhouettes fort. Die Texte erzählen von Unzulänglichkeiten, sowohl den eigenen, als auch den globalen. Der Pranger für die Gier der Mächtigen, der blinden Folgsamkeit der Massen und dem Streben nach mehr Reichtum, sowie unser aller Umgang mit unserem Planeten wurde schon oft besungen, doch klang er selten so gut. Dass Alpha Omega sich dem alltäglichen Wahnsinn des Menschen widmen, wurde schon bei der Teilnahme am Polar-Festival, das in Kooperation mit Sea Shepherd durchgeführt wurde, und dem just dazu fertig gestellten Video zu Darkest Ocean deutlich. Auf ihrem ersten Longplayer bildet der fatale Umgang des Menschen mit Erde und Natur den roten Faden. Doomed und Mother Earth und der lange Titeltrack schlagen in diese Kerbe und präsentieren uns den Spiegel, den keiner sehen will. Den persönlichen Gegenpart könnten das Befremden und die Resignation in Alien und Against it All bilden. Die Suche nach dem heilen Land ist in Atlantis famos beschrieben, dieser Track  bildet den optimistischen Lichtblick inmitten der düsteren Bilder. Die Weisheit des Titeltracks Gaia hingegen ist nicht nur ein musikalisches Highlight.

Gaia - Cover

Gaia

Lieblingssongs? Ich liebe alles, von Sekunde 1 bis Sekunde 2822 und danach geht das Ganze sowieso auf Repeat. Wenn ich aber Highlights picken soll, sind es unter anderem Mother Earth, Atlantis und Gaia. False Prophet fiel mir auch bereits beim ersten Hören auf, aber erst im x-ten Durchgang hatte ich ein Déjà-vu. Eine der Gitarren klingt stellenweise aber so dermaßen nach Possessed zu Seven Churches Zeiten, dass mir gleich die Tränen in die Augen schossen; dies war vor 35 Jahren schon überirdisch gut; und sollte in der Zwischenzeit eine Band den Sound erneut aufgegriffen haben, habe ich es verpasst. Hier passt dieser Sound perfekt, und ich bin umso mehr schockverliebt in diesen Track. Alien, Guiding Light und Regret runden meine Anspieltips ab.

Gaia ist ein Quantensprung im Songwriting im Vergleich zum bisherigen Material. Noch sensiblere ruhige Momente, aber zum richtigen Zeitpunkt auch immer wieder voll auf die Zwölf. Auch wenn vielleicht noch Kritik beim Songwriting aufkommen könnte, sorgen andererseits die Elemente doch bereits jetzt auch für einen hohen Wiedererkennungswert und sind meilenweit vom homogenen Gegrunze anderer verwandter Stilrichtungen entfernt. Ich wage die Prophezeiung, wenn es nicht schon dieses Album ist, sollte bei gleichbleibendem Schrittempo in der Entwicklung der Band spätestens mit dem folgenden Output ein Niveau erreicht sein, welches international absolut keinen Vergleich scheuen muss. Das Interesse im Ausland scheint jedenfalls schon zu bestehen, wie man auf den verschiedenen Plattformen erkennen kann. Der Sound des Albums, soweit ich dies mit meinen Mitteln beurteilen kann, ist sehr gut und deutlich differenzierter, als auf dem Vorgänger.

Nach meiner langen Pause und einem Stilwechsel erlaube ich mir erstmals einen Split in meiner Benotung. Für die Ohren eines Scouts reicht es vermutlich nur für maximal 4 von 5 Punkten. Dies wäre meine Objektiv-Note. Für meinen Geschmack haben Alpha Omega alles richtig gemacht und mich mit Gaia absolut begeistert. Es gibt auf dem Album keinen Song, der mich nicht packt. Daher ist die Subjektiv-Note eine klare 5 von 5 Punkten.

Webseite: http://www.alphaomegaband.de

Newcomer des Jahres 2017 – AlphaOmega aus Berlin

31 Dez

In diesem Jahr habe ich mich schwer getan, einen eindeutigen Newcomer des Jahres zu identifizieren. Im Verlauf des Jahres gab es drei Kandidaten, wovon einer schon im vergangenen Jahr auf dem Radar erschien. Von diesen riecht einer nach Retorte, der zweite blieb leider bezüglich Können und Ausrichtung etwas diffus und der dritte Kandidat glänzte mit Besetzungsproblemen. Letztlich hing mein Bauchgefühl fast die ganze Zeit an der letztjährigen Nominierung, und nachdem gerade erst die Besetzung der Band wieder komplett ist, lege ich mich jetzt auf die wunderbare Neuentdeckung aus meiner Heimatstadt fest: Alpha Omega aus Berlin.

AO2

Es ist gerade einmal etwas über ein Jahr her, dass ich über Five Kiss Prophecy gestolpert bin, gerade noch rechtzeitig zur Bekanntgabe ihres Abschiedskonzertes. Die Enttäuschung, die sich bei mir breit machte, wurde durch die fast zeitgleiche Ankündigung einer neuen Band mit zwei Mitgliedern aus dem Gefüge, die wohl bisher auch als der musikalische Nukleus von Alpha Omega angesehen werden dürfen, etwas relativiert. Nach kurzer Wartezeit stand neben Sängerin Lea Moonchild und Gitarist Chriss von Musik eine erste Besetzung und parallel dazu gab es die selbstbetitelte EP, um endlich die Neugier zu stillen. Was die Neulinge darauf präsentierten machte aber so richtig Lust auf mehr. Bald sollte es dann auch Nachschlag geben, bei Ihrem Konzert Debüt haben Alpha Omega so ziemlich alles richtig gemacht und die weiteren Bands an diesem Abend an die Wand gespielt (siehe auch den Live-Bericht aus dem Februar: Stage Debüt – AlphaOmega aus Berlin). Auch wenn das zweite Konzert nicht ganz so rund lief, war die Performance immer noch absolut überzeugend mit hohem Spaßfaktor. Danach trat eine kleine Funkstille ein, die in gleich zwei Vakanzen begründet war. Doch mit Nico Jonas an der Schlagbude und Dogus an der zweiten Gitarre ist zusammen mit Mike Jey am Bass das Quintett wieder komplett und die Segel für 2018 sind gesetzt. Das nächste Album ist bereits geschrieben, und aktuell laufen die Vorbereitungen für die Aufnahme des zweiten Werkes.

Im Profil der Band steht der sehr weit gefächterte Begriff „Alternative Metal“. Stimmt. Aber in diesem Genre gibt es verdammt viele Vertreter, Gibt es etwas, was Alpha Omega anders machen? Ich mag mich irren, und Musiker mit einem ähnlichen Repertoire sind mir bisher völlig verborgen geblieben, aber ich nehme an, die Band hat mit dem ersten Output etwas geschaffen, was zum einen die konsequente Weiterführung der Qualitäten von Five Kiss Prophecy ist, zum anderen eine Tür aufstößt zu Sounds, die ich eben so noch bei keiner anderen Band vernommen habe. Grob gesagt ist es ein Mix von Metal, Dark Wave und Elektronica und einer fetten Portion Hardcore. Das klingt zunächst nicht neu, aber auch wenn ich immer wieder den Vergleich zu den Architects lese, klingen Alpha Omega weder wirklich wie die Architects noch wie weitere Vertreter im Metalcore mit weiblichen Vocals, wie beispielsweise Dream State oder Once Human. Beispielsweise ist da die düstere Grundatmosphäre der Lyrics und der immer wiederkehrenden Elemente, die eher an 80er Jahre Gothic Wave erinnern, als an eine moderne, energiegeladene Metal Performance. Das große Kunststück ist aber eben gerade, dass Alpha Omega trotzdem eben genau das sind: Eine moderne, energiegeladene Metal Performance. Die Musik treibt eigentlich zu jeder Sekunde, eben selbst bei den ruhigeren Passagen und den Clean Vocals. Perfekt, um dazu abzutanzen, Energie zu tanken und im übrigen auch hervorragend zum Joggen. Auch wenn ich mich wiederhole, der Vergleich, der sich mir am ehesten aufzwingt, ist die mit weiblichem Gesang besetzte Symbiose von Type’O’Negative und Carnivore. Wobei Carnivore gerne durch jede treibende, mit verständlichen Harsh Vocals glänzende Hardcore Truppe ersetzt werden darf.

Selbst wenn die EP eine Anzahl von Rotationen im dreistelligen Bereich innerhalb des knappen Jahres bei mir aufweist und damit neben Delain und Forever Still zu den meistgehörten Werken gehört, sehe ich, dass ohne eine Weiterentwicklung die Gefahr besteht, das Ganze könnte auf Dauer etwas eintönig werden. Die größte Abwechslung bieten tatsächlich die Clean Vocals. In den youtube-Kommentaren habe ich vermehrt Kritik an den Harsh Vocals vernommen. Zunächst konnte ich dies nicht nachvollziehen. Meiner Ansicht nach transportieren diese ziemlich gut die Wut, die in den Songs steckt, und es gibt bekanntere Vertreter der Musikgeschichte mit deutlich weniger markanten oder aussagekräftigen Vokalisierungen. Im aber oft bemühten Vergleich zu den Architects, bei denen der harsche Gesang durchaus auch melodietragend ist, fällt dann dagegen ein eher monotoner Vortrag wutgeladener Tiraden tatsächlich etwas ab. Ich bin gespannt, ob Sängerin Lea auf dem kommenden Werk ein klein wenig Mut zum Experimentieren aufbringt. Dies ist allerdings Kritik auf hohem Niveau. Selbst wenn der stilistische Sprung ausbleibt, vermute ich, auch im nächsten Jahr werden mir, hoffentlich mit einem neuen Album, Alpha Omega wieder viele Stunden lang den Tank ordentlich auffüllen.

Die selbstbetitelte Debüt-EP ist in physikalischer und in digitaler Form auf Spotify, iTunes, Amazon und Bandcamp erhältlich.

Reinhören – Kaufen – Abrocken!

https://www.facebook.com/AlphaOmegaBerlin

https://alphaomegaband.bandcamp.com/releases

Konzertkritik: Lacuna Coil + Forever Still + Genus Ordinis Dei, White Trash, Berlin

6 Nov Maja Shining, Forever Still
Maja Shining, Forever Still

Maja Shining, Forever Still

Endlich fand mal wieder ein Live Leckerbissen der besonderen Art vergangene Woche den Weg ins Berliner White Trash Fast Food: Lacuna Coil spielten am neuen Standort des Kult-Restaurants im jetzt deutlich größeren Konzertsaal, der sich nun zu Recht auch als Ballroom ausgibt. Meine große Freude und Erwartung galt allerdings der gerade erst zuvor angekündigten Begleitung: Neben den aus Italien mitgereisten Death Metallern Genus Ordinis Dei hatten die erst jüngst gesignten Forever Still aus Dänemark einen Slot im Vorprogramm erwischt. Logisch, dass meine Newcomer des Jahres ganz oben auf meiner Wunschliste für ein Abendprogramm standen.

Ja ich mag hier voreingenommen sein, aber da auch weitere ähnliche Kritiken im Netz kursieren, kann ich eigentlich überzeugt eines vorweg nehmen: Der Headliner tat sich gegen die jungen Forever Still aus Dänemark schwer.

Der Abend begann mit Genus Ordinis Dei. Der Death Metal Vierer mühte sich redlich, den noch nicht gefüllten Tanzsaal aufzuwärmen. Die härteste der Metal Gangarten war jedoch vermutlich den meisten der Anwesenden zu heftig und wollte nicht so richtig zünden.

Genus Ordinis DeiGenus Ordinis Dei

Ganz anders sah es bei Forever Still aus, die trotz nur annehmbarem Sound nach dem kompletten Aufbau direkt vor dem Set und einem nur etwa 7-minütigem Soundcheck den Floor vor der Bühne rasch füllten und einigen Beifall erhielten. Für eine Band, die hier noch kaum einer kennt, zudem in der verwöhnten, um nicht zu sagen übersättigten Hauptstadt, ist dies absolut keine Selbstverständlichkeit. Als weiteres Indiz für eine gelungene Erstvorstellung in Berlin darf auch die anschließende Nachfrage am Merchstand von dem dänischen Quartett gelten. Der ein oder andere hielt nach dem Abend das eben erst bei Nuclear Blast erschienene Album Tied Down in seinen Händen.

Auch wenn die Band um den künstlerischen Nukleus von Mikkel Haastrup und Maja Shining sich bisher nur nur für die Touren zusammen getan hat, und somit nicht unbedingt ein homogenes Gefüge zu erwarten wäre, reicht das Feuerwerk, das eben insbesondere die zierliche Frontfrau auf der Bühne abbrennt, um mit den bemerkenswertesten Auftritten der Geschichte durchaus mithalten zu können.

Ich vergleiche das, was ich erleben durfte, gerne mit Yvonne Ducksworth in den ausgehenden 80ern bzw. frühen 90ern vergangener Zeiten bei den legendären Auftritten von Jingo de Lunch oder aber auch den Emils zur selben Zeit. Eine derart energiegeladene Show erlebt man eben sonst eher in den Gefilden des Punk. Optisch passt die zweite Maja im Bunde, Gitarristin Partsch, hervorragend zur Sängerin Maja Shining, die beiden könnten im Look glatt als Geschwister durchgehen. Vielleicht ist diese Tour ja der Auftakt für eine dauerhafte Liaison.

Maja Partsch, Forever Still

Maja Partsch, Forever Still

Der Gegenpart zu dem singenden Wirbelwind ist das kreative Mastermind Mikkel Haastrup, der auf der Bühne überwiegend zurückhaltend agiert. Auch wenn ich von der fehlenden Homogenität und womöglich damit einhergehender fehlender Interaktion der Musiker untereinander sprach, ist das gezeigte für eine so junge und wenig zusammengewachsene Band bereits weit besser, als alles, was sich oftmals auf den Bühnen zu guter Gitarrenmusik tut. Angenommen die rohe Energie von Sängerin Maja würde darunter leiden, sobald sie mit den anderen Faxen machen würde, dann bevorzuge ich vermutlich die jetzige Konstellation einer One-Woman-Show. Dieses Prädikat soll auch keinesfalls die Leistung der restlichen Bandmitglieder schmälern, ohne das ausgezeichnete musikalische Gerüst, welches diese zaubern, wäre es nämlich keine Show. Und was dieser musikalische Vortrag zu bieten hat, kann sich ebenfalls hören lassen: Die Songs rund um Verzweiflung, Wut, Angst und Selbstfindung, die eben das Debütalbum ausmachen, sind live ein noch eindringlicheres Erlebnis. Ich war extrem neugierig, ob „Save Me“ oder „Scars“ mir im Saal den selben Schauer über den Rücken jagen können, wie sie es aus der Konserve tun. Und ja, obwohl die letzten Sekunden von „Save Me“ live ein wenig tiefer vorgetragen wurden, war die Wirkung dieselbe. Danke für diese wundervolle Show an die vier jungen Damen und Herren aus dem hohen Norden!

Maja Shining, Forever Still

Maja Shining, Forever Still

Der Headliner Lacuna Coil ist seit etwa 20 Jahren eine Institution, zunächst als Crossover und Wegbereiter für gleich zwei Genres (Gothic- und Nu Metal) später etwas breiter aufgestellt als Alternative Rockband. Ihr größtes musikalisches Pfund ist die Tatsache, das mit Andrea Ferro und Christina Scabbia gleich zwei Vokalisten am Start sind. Dies, zusammen mit einer 20-jährigen Erfahrung, könnte die Grundlage für etwas ganz besonderes bei einer Bühnenpräsentation werden.

Es war mein erster Besuch bei Lacuna Coil, die irgendwie nie so ganz zu 100 % in mein Raster fielen. Keine Frage, haben die erfahrenen Musiker auch eine tolle Show auf der Bühne hingelegt. Spielfreude schien vorhanden zu sein, das Publikum wurde immer wieder zum Mitmachen animiert und dies fiel immer auf fruchtbaren Boden. Aber auch hier war eine Interaktion zwischen den Beteiligten auf der Bühne kaum vorhanden. Dabei hätte doch eben gerade das Zweier-Gespann am Mikrofon so viele großartige Möglichkeiten, etwas wirklich magisches auf die Bühne zu zaubern. So blieb es in meinen Augen eine grundsolide Show ohne echte Höhepunkte. Daran konnten auch die Mitsingparts und ein Depeche Mode Cover nicht viel ändern. Das mag jetzt ein wenig harsch klingen, aber das Problem des Headliners ist hier tatsächlich: Forever Still haben mit ihrer hoch energetischen Show einfach mehr abgeliefert. Die langjährige Erfahrung der Italiener hat nicht ausgereicht, um dem Auftritt der jungen Wilden vergessen zu lassen.

Lacuna Coil im White Trash Fast Food

Lacuna Coil

 
Ich habe an jenem Abend drei Bands zum ersten mal gesehen, auf ein weiteres freue 
ich mich dabei tatsächlich nur bei dem dänischen Quartett. Ich kann es eigentlich nicht 
erwarten, Forever Still auf ihrem ersten Gig mit vollständigem Set wieder sehen zu dürfen 
und dann vielleicht nochmal und nochmal...
 

Interview mit Maja Shining (Forever Still)

28 Sep

Wie ihr euch vielleicht erinnert, habe ich schon früh in diesem Jahr Forever Still zu meinen Newcomern des Jahres 2016 erkoren. Seitdem ist extrem viel bei der Band passiert. Grund genug, um der Sängerin Maja Shining einmal genauer auf den Zahn zu fühlen. Deswegen lade ich euch herzlich zu meinem allerersten Interview ein.

newcomer-2016

Rockin´ Paparazzo:  Hallo Maja,

zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dem jüngsten Vertrag mit Nuclear Blast und vielen Dank für deine Zeit und die Möglichkeit, mein allererstes Interview zu führen.

Maja Shining: Vielen Dank für die Glückwünsche und auch für dieses Interview!

2016 war ein wirklich geschäftiges und mit Neuigkeiten gespicktes Jahr für Forever Still. Du zeigst eine stetige Präsenz in den sozialen Medien, daher sind eure Fans gut über die aktuellen Tätigkeiten der Band informiert. Bitte erlaube daher zunächst einen kurzen Blick in die Vergangenheit, um das Bild abzurunden: Du bist eine vielseitig talentierte Künstlerin, die bisher insbesondere als herausragende Stimme von Forever Still bekannt ist. Was ist dein musikalischer Werdegang? Hattest du jemals Gesangsunterricht?

Tatsächlich ist dieses Jahr viel passiert!

Mein ganzes Leben lang liebte ich es einfach zu singen, und diese Passion führte zu täglichen Gesangsübungen. Ich hatte immer das Verlangen, neue Dinge zu lernen und in dem was ich mache, wirklich gut zu sein und das Singen fühlte sich nie wie eine lästige Pflicht an. Erst in den letzten Jahren habe ich angefangen, Gesangsstunden zu nehmen, um meine Technik zu verbessern und sicher zu stellen, dass ich mir auf Dauer keine schlechten Angewohnheiten annehme.

Du hast mit 11 Jahren in einem Chor mit dem Singen angefangen uns spieltest danach musikalisches Theater. Gab es weitere Aktivitäten vor Forever Still? Erinnerst du dich, wann du deine Vorliebe für härtere Musik erstmals entdeckt hast und die Gründe für deine Wahl, sich auf diesem Wege selber auszudrücken?

Das tat ich. Zuvor erinnere ich mich in Schulaufführungen und an Weihnachten gesungen zu haben. Ich war zuvor in einigen Hobby-Bands, aber erst mit dem Start von Forever Still habe ich ein Projekt nach meiner Passion gefunden. Ich fing etwa mit 13 Jahren an, härtere Musik zu hören, und die ersten Banderfahrungen waren bereits mit dem Spielen von Rockmusik – Wir haben einen Flyleaf Demosong von „Breathe Today“ bei einem Schul-Talentwettbewerb aufgeführt als ich 15 war und das war ein Riesenspass! Der Stil von Forever Still kam einfach ganz natürlich und ist das, was wir lieben zu spielen.

Wie hast du Mikkel Haastrup getroffen und kannst du etwas über den Start von Forever Still berichten?

Die Band gründete sich, als Mikkel und ich uns auf einem Konzert trafen und wir kurz danach darüber sprachen, gemeinsam Musik zu machen. Mikkel übermittelte mir ein paar instrumentale Ideen und ich war von Anfang an inspiriert, darauf Melodien zu schreiben. Wir trafen uns und begannen an einigen Songs zu arbeiten und veröffentlichten unsere erste EP „Breaking Free“ in 2013.

Neben dem Gesang spielst du Piano, die Harfe und manchmal eine elektrische Violine, habe ich irgendetwas ausgelassen?

Wir haben ein Bild von einer Harfe gepostet und einige Leute vermuteten, ich würde sie spielen, aber alle Beiträge der Harfe stammen von Mikkel.

Ich bin beeindruckt, dass dir das bekannt ist, ich habe wirklich keine Ahnung, wo du das her hast, aber ja, ich besitze eine elektrische Violine, die Wahrheit ist jedoch, ich bin weit davon entfernt gut genug darin zu sein, um sie einer unserer Aufnahmen hinzuzufügen. Ich spiele Piano bei einigen Akkustikstücken auf dem Tied Down Album ebenso wie auf der Breaking Free EP und startete mit dem Spielen ursprünglich in meiner späten Jugend, um meinen Gesang zu begleiten. Ich liebe dieses Instrument und strebe an, richtig gut zu werden, sobald ich mehr Zeit habe – allerdings scheint diese Zeit nicht gerade jetzt zu sein.

Ich würde es großartig finden, die Violine in einem oder auch mehreren zukünftigen Metal-Songs von Forever Still zu hören. Du bist sehr offen darin, verschiedene Musikstile zu hören. Kannst du dir vorstellen, die Genreschranken mit deiner eigenen Musik zu erweitern oder fürchtest du, Fans zu verlieren sobald ihr experimenteller würdet?

Wir lieben das Experimentieren und die Musik, die wir machen, kommt von dem Drang Emotionen und Gefühle auszudrücken, die ansonsten anderweitig ausbrechen würden. Wir bedenken niemals, ob andere lieben oder hassen, was wir machen. Wir machen die Musik, die wir brauchen; und ich denke, unsere Fans spüren, dass sie aus einer realen Welt kommt und ihnen deshalb ermöglicht, diese nachzuempfinden.

Seit den ersten Veröffentlichungen gab es einige Veränderungen um euren kreativen Nukleus, bestehend aus Mikkel Haastrup und dir. Diesen Februar habt ihr bekannt gegeben, Partsch (Gitarre) und Dennis Stockmarr (Schlagzeug) treten der Forever Still Familie bei. Sind die genannten vollständige Bandmitglieder und hat sich der kreative Prozess seither verändert?

Ja, Forever Still sind grundsätzlich erst einmal Mikkel und ich im Studio, aber auf der Bühne haben uns verschiedene Mitglieder begleitet. Für die anstehende Tour wird Partsch erneut an der Gitarre dabei sein und wir haben einen neuen, großartigen Schlagzeuger.

Es gibt nicht viele Metal- oder Rockbands aus Dänemark mit einer internationalen Aufmerksamkeit, wie ihr sie sofort erfahren habt. Ich erinnere mich an Mercyful Fate / King Diamond, Pretty Maids and Disneyland After Dark, die überwiegend in den 80ern groß wurden und zum Teil immer noch aktiv sind. In Flames, Abbatoir und Disaster Area waren in entsprechenden Fankreisen ein Begriff. Kommt ihr also aus einer lebendigen lokalen Szene und wusstet nur die Geheimnisse der sozialen Medien auszunutzen, oder was macht den Unterschied?

Dänemark ist ein sehr kleines Land und die Metal- / Rockszene ist nicht sehr groß, so lag unser Fokus immer darauf, herauszutreten und auch in anderen Ländern zu spielen. Das Internet hat uns ermöglicht, mit den Fans in aller Welt zu sprechen und herauszufinden, wo sie uns spielen sehen wollen, das war eine große Hilfe. Außer alledem ist aber das wichtigste gute Musik, harte Arbeit und Hartnäckigkeit.

Ihr erklärt euch selbst zur Do-it-yourself Band. Nicht, dass ihr nur zunächst eine Single und dann drei EPs selber produziert habt, die zu eurem Debüt „Tied Down“ wurden, ihr habt zudem alles selbst gemanagt, diverse Videos kreiert und neben allem bist du auch noch in den sozialen Medien allgegenwärtig. Alles was ihr tut ist zeitaufwendig aber auch auf einem ungeheuer hohem Level. Die Videos können mit vielen offiziellen Werken mithalten und eure Musikproduktion war State-of-the-art. Auch ich muss zugeben, teilweise habt ihr mich nicht nur mit eurer Musik eingefangen, sondern eben mit diesen Nebenaktivitäten. Das Fans eine Single auswählen können ist nicht neu, ein Videowunsch zu äußern auch nicht, aber das Script des nächsten Videos zu beeinflussen ist schon etwas anderes. Ich hoffe, es wird ähnliche Aktionen geben, auch wenn die Dinge größer werden? Erwartest du einen Zeitgewinn nach dem jüngsten Plattenvertrag, werdet ihr einige der genannten Aktivitäten an die Plattenfirma übergeben, und wie nutzt ihr die gewonnene Zeit?

Das coole an Nuclear Blast ist, dass sie uns unter Vertrag genommen haben, weil sie lieben was wir machen und nicht, weil sie uns in etwas anderes verändern wollen, also machen wir weiterhin die Musik, die Aufnahmen, die künstlerische Gestaltung und die Videos selber. Was der Vertrag uns erlaubt, ist mehr Zeit für die künstlerische Arbeit nutzen zu können während wir Hilfe bei der administrativen Arbeit erhalten, was auch die Werbung des Labels beinhaltet. Wir werden mit unserer Fanbasis online in Kontakt bleiben, wie wir es immer getan haben und arbeiten mit ihnen zusammen an kreativen Projekten – wir lieben es, diese enge Verbindung mit allen zu haben.

Du erwähntest einmal, die meiste Energie bei langen Spaziergängen zu erhalten. Wanderst du auch? Falls, hast du irgendwelche Lieblingsorte, die du besucht hast, oder besuchen willst?

[Berg-] Wandern ist in Dänemark absolut nicht möglich, weil das Land platt wie eine Flunder ist! Lange Spaziergänge in der Stadt klären meinen Geist und dort sind eine Menge Parks und grüne Gegenden. Ich werde oft von Mikkel begleitet, wo wir über unsere Pläne für die Band sprechen während wir die frische Luft genießen und neue Eindrücke sammeln. Als wir in Los Angeles waren, wanderten wir im Runyon Canyon und der Blick über die Stadt von der Spitze war absolut überwältigend. Im letzten Jahr bestieg ich den Wildcat Mountain in New Hampshire zusammen mit meiner Schwester bei 35°C (95°F) – das war ein hartes Stück und runter haben wir den Ski-Lift genommen.

Mit dem Vertrag bei Nuclear Blast und ihrer langen Erfahrung im Metal habt ihr nicht nur ein Plattenlabel, sondern vermutlich auch den besten Partner, um Dinge für euch voran zu treiben. Das ist womöglich nicht nur der beste Deal den ihr bekommen konntet, sondern außerdem passiert dies gerade im günstigsten Moment eurer Karriere, nicht wahr?

Wir haben zuvor oft Angebote erhalten, aber vor Nuclear Blast haben wir nicht einmal darüber nachgedacht. Es ist eine fantastische Möglichkeit und ich bin äußerst dankbar über die Chance, mit diesen großartigen Leuten dort zu arbeiten. Sie lieben wirklich, was wir tun und sind die hilfreichsten und nettesten Leute, die ich in langer Zeit getroffen habe. Das scheint der Beginn von etwas großartigem zu sein!

Es wird eine Neuveröffentlichung von Tied Down in diesem Oktober geben. Die Disk enthält drei neue Akustikversionen (Scars, Save Me und Miss Madness) und soweit ich verstanden habe, wird ein spezielles Digipack eine DVD mit allen Videos enthalten? Wird die CD ein neues Mastering bekommen, oder könnt ihr das Material verwenden, das ihr bereits habt?

Ja, wir machten 3 wirklich eigenständige Versionen von Scars, Save Me und Miss Madness, darauf solltet ihr euch wirklich freuen und eine Überraschung wird es auch noch geben! Die DVD enthält alle Musik- und Lyrikvideos, die wir für Tied Down gemacht haben. Etliche Fans haben vorab nach den Videoveröffentlichungen gefragt, deswegen bin ich froh, dass wir das hinbekommen haben; so haben die Fans eine Möglichkeit, die Videos zu besitzen und in der bestmöglichen Qualität zu schauen. Nuclear Blast mochte die Arbeit von Mikkel am original Master und sie wollten es so belassen, wie es war, um den vollen emotionalen Einfluss zu bewahren und das Hörerlebnis genauso zu haben, wie es gemeint war. In der neuen Version von Tied Down wird ebenfalls ein Booklet mit den Texten enthalten sein .

Tied Down wird oft nicht nur für die Musik, sondern auch für die starken Texte gepriesen. Tatsächlich ist es ein Konzeptalbum über die innigsten Gefühle und wie man sie verarbeitet. Auf eurer Webseite beschreibt ihr es als „eine Platte [die] mit einer Flut von persönlichen Angelegenheiten ringt, von Depressionen, Angst und Wertlosigkeit bis hin zu Ausdauer und Heilung.“ Ohne jede Frage ist dies eine Vorbestimmung für aggressive Sounds und genauso leise Töne. Aber ich habe niemals eine depressive Person erlebt, welche die Öffentlichkeit dermaßen liebt. So hat sich für dich alles zum guten gewendet? Die Intensität eures Werkes scheint für einige Erfahrungen mit derartigen Gefühlen zu stehen. Also ist dieses Album autobiografisch oder eher eine Abstraktion?

Jeder Text rührt aus persönlichen Gefühlen und Erfahrungen her, genauso wie die Musik. Eine Menge der Texte sind definitiv ein Weg, um Dinge zu verarbeiten, die in der Vergangenheit passierten und andere fokussieren auf jüngere Erlebnisse. Es wird immer eine Person geben, die man in der Öffentlichkeit erfährt und eine, die man auf persönlicher Ebene kennt. Ich zeige einen Teil meiner selbst online und einen anderen Teil von mir in meinen Texten und Auftritten. Das bin alles ich, es sind nur unterschiedliche Teile zu unterschiedlichen Zeiten und ich möchte nicht über mein Leben in den sozialen Medien meckern – dafür habe als Ventil die Musik.

Nun lass uns über die Zukunft sprechen. Du hast vormals erwähnt, es gibt bereits einige frühe Versionen neuer Songs. Wird das nächste ebenfalls ein Konzeptalbum werden?

Ja wir haben begonnen an einigen neuen Songs zu arbeiten, und diese haben ein deutliches Thema. Ich bin nicht bereit jetzt zu verraten, was das ist, aber die neuen Songs, die wir geschrieben haben, sind meiner Meinung nach definitiv die bisher besten, die wir je geschrieben haben.

Ich hörte ein Flüstern über Tourpläne, vielleicht zum Ende des Jahres. Kannst du bereits sagen, welche Länder dabei sein werden?

Tatsächlich ist es gerade veröffentlicht worden, dass wir Lacuna Coil auf ihrer Delirium Welttour in Europa in diesem Herbst begleiten werden. Wir können es nicht erwarten, so viele neue Orte zu besuchen und all die Fans zu sehen, die wir seit langer Zeit treffen wollten! Es werden ungefähr 13 Länder dabei sein und man kann die Daten auf unserer Homepage finden: http://www.foreverstill.dk.   [*]

Habt ihr jemals gejamt, heutzutage ist Musik durchstrukturiert und viele Leute erwarten als Live-Erlebnis die selben Versionen, welche sie auf dem Album gehört haben. In früheren Tagen war es durchaus üblich, auf der Bühne zu jammen. Könnt ihr euch vorstellen die Kontrolle den Emotionen zu übergeben und etwas neues zu kreieren? Auch könnten mit Gastmusikern neue Sachen probiert werden und man gegenseitig voneinander lernen.

Wenn wir live spielen, wollen wir jedesmal ein einzigartiges Erlebnis schaffen und die Versionen der Songs auf dem Album sind nicht zwingend die gleichen Versionen, die du live hörst. Wir mögen es zu verändern; einerseits, um es für uns als Musiker interessanter zu machen, aber insbesondere für die Zuhörer, die nie wissen, was sie erwartet.

Laß uns zuletzt einen Wechsel vornehmen: Gibt es eine Frage, die du schon immer gestellt bekommen wolltest, sich aber niemand bisher zu fragen traute?

Ich denke, du hast alles abgedeckt!

Nochmals vielen Dank für deine Geduld. Ich wünsche dir und deiner Band für die Zukunft großartige Dinge mit dem neuen Label und tolle Momente auf der kommenden Tour! Ich bin wirklich gespannt, euch auf der Bühne zu sehen.

Mit Vergnügen, und hoffentlich sehen wir dich im White Trash Ballroom in Berlin!

maja-shining

Maja Shining

*[Tatsächlich gibt es die Daten am Dienstag dieser Woche erst auf dem facebook Profil und bei Nuclear Blast. Fans in den folgenden Ländern sollten nach genaueren Infos Ausschau halten!
FR, BE, NL, DE, DK, SE, NO, CZ, AT, CH, GB]

Das Interview wurde auf Englisch geführt und nachträglich übersetzt.
Vielen Dank an Anne für die Inspiration!

Newcomer des Jahres 2016 – Forever Still mit neuem Album

16 Jan

Im Gegensatz zum Schmelztiegel Göteborg ist Kopenhagen nicht das bekannteste Pflaster für female fronted Rock und Metal Bands. Die international bekanntesten Namen aus der dänischen Metropole dürften neben Volbeat wohl noch Mercyful Fate und King Diamond sein. Frontfrauen? Fehlanzeige! Hier ackert seit einigen Jahren aber eine junge Band daran, dies zu ändern und hat in kürzester Zeit in den sozialen Medien einigen Staub in der Szene aufgewirbelt und sich eine kleine Fangemeinde erspielt. Mit dem aktuellen Longplayer „Tied Down“, der Freitag veröffentlicht wurde, schickt sich Forever Still an, dem weiblichen Gesang aus Dänemark einen festen Platz im internationalen Rockzirkus zu verschaffen. Das laute Duo bestehend aus Maja Schønning (Vocals) und Mikkel Haastrup (alle Instrumente) ist damit leider einige Tage zu spät, um noch den ungekürten Platz für meinen Newcomer des Jahres 2015 zu belegen. Da ich nun aber im letzten Jahr keinen Entschluss fassen konnte, könnte ich mich ja zur Abwechslung mal im Januar festlegen:

Forever Still – ist mein Newcomer des Jahres 2016!

Albumcover "Tied Down" Forever Still

Forever Still – Tied Down

Das Album, das eben auf die Welt losgelassen wurde, ist indes keine komplette Neuveröffentlichung. Vielmehr sind mit den Tracks der beiden EPs „Scars“ (2013) und „Save Me“ (2015) die wichtigsten Veröffentlichungen seit der „Breaking Free“ EP (2013) hier zusammengefasst und um 4 neue Tracks erweitert worden, wobei „Break the Glass“ für eine Fan-Aktion bereits Ende letzten Jahres vorab zu hören war.

Folglich sind lediglich drei bisher noch unbekannte Titel auf der Scheibe. Mit der Unterstellung, daß noch nicht viele von der Band gehört haben, gilt ergo all jenen und aber auch den CD-Sammlern bereits jetzt meine uneingeschränkte Kaufempfehlung! Wer nun jedoch über die Jahre gewachsenes Stückwerk erwartet, wird eines besseren belehrt: „Tied Down“ ist ein Konzeptalbum, welches mit dem Themenkreis Minderwertigkeitskomplex, Depression und Angststörung einen absolut aktuellen Themenkreis angeht, der mit dem agressiven Metal von Forever Still vielleicht sogar die passendste Ausdrucksform erfährt. Ja, wer hier Operatic Metal erwartet, wird dann doch enttäuscht. Vielmehr geht die saubere Eigenproduktion von Mikkel Haastrup, der sein Handwerk bei niemand geringerem als Flemming Rasmussen gelernt hat, in die moderne Schiene härterer Gangart. Auch wenn balladeske Anleihen, die stark an Evanescence erinnern, immer wieder das Tempo zurücknehmen, wird die Melancholie aggressiv mal hymnisch und bald sirenenhaft vorgetragen, was zum einen zum hohen Wiedererkennungswert führt und zum anderen wohl eben das hohe Suchtpotential ausmacht, den Majas Stimme hervorruft. Überwiegend im Klargesang mit sehr wenigen Growls, wie etwa beim Opener „Scars“ bohrt sich die Sängerin in den Gehörgang und will diesen nicht verlassen, ehe nicht Herz und Hirn ordentlich durchgewalkt sind.

Ein absolutes Highlight ist der Song „Save Me“, vielleicht einer der stärksten Tracks der letzten Jahre. Nirgends klingt Maja so zerbrechlich wie hier und das Finale hat die betörendsten Melodiebögen, die ich je gehört habe. Fans der frühen Evanescence sollten hier unbedingt mal rein hören!

Beeindruckend ist im übrigen, das ganz im Zeichen der Internetwende in der Musik, die Band alles absolut in Eigenregie startet. Neben der musikalischen Produktion, werden auch die Videos und das Booking bisher komplett durch die Band alleine verantwortet. Hier sind Vollblutmusiker am Start, die genau wissen, was sie wollen. Das dabei auch noch ein Herz für die Fans offen ist und die bisherigen Veröffentlichungen bis dato zum fairen „name your price“ erhältlich waren, spricht für die Band, die auch die beschenken möchte, die eben nicht das Geld für ihre Musik übrig haben. Natürlich geht es aber nicht ohne die Fans, die dann auch bereit sind, einen Obolus für die überlassene Kunst zu zahlen. Das diese Mischung aufgehen kann, haben schon andere Künstler gezeigt. Für Forever Still scheint dieses Konzept bis jetzt ebenfalls aufzugehen.

Ich kann dennoch nur empfehlen, sich dieses Kunstwerk als ganzes ins Haus zu holen, und die wundervoll schmerzlichen Lieder über die Narben, durch Lügen und Unterdrückung entstanden, und zugleich das Aufbegehren, nach dem eigenen Sinne zu streben und zu leben, am Stück und immer wieder zu genießen. Ich jedenfalls kann schon jetzt kaum die Fortsetzung erwarten!

Wertung: 5/5

„Tied Down“ von Forever Still; VÖ: 15.01.2016; Eigenproduktion

Verlosung: Atrium – Newcomer des Jahres revisited

23 Apr
Atrium

Atrium

Erinnert ihr euch noch an meine Newcomerband des Jahres 2013? Falls nicht, sei sie euch erneut wärmstens ans Herz gelegt. Kaum eine solch junge Band hat so viel Potential und bereits soviel Erfolge vorzuweisen, wie eben Atrium: Zweifache erfolgreiche Teilnahme am Battle of the Bands zur Vans Warped Tour sprechen schon für sich; für die Teilnahme an der dritten Runde kann aktuell gevotet werden. Das Video zu „Alive“ hat sogar inzwischen die 1-Millionen Marke geknackt! Da darf man getrost die Frage stellen, ob die Plattenlabels hier einfach nur Schlafen oder erst einmal abwarten?

Gerade frisch erschienen ist eine weitere EP des Trios aus Charlotte, NC. Ich kann auch dieses Werk von Atrium nur wärmstens empfehlen. Neben den intelligenten sozialkritischen Texten und dem Gefühl für Melodien besticht auch „The Tide“ vor allem durch Emily Allens Gesang. Die Kompositionen sind noch vielschichtiger geworden und machen Appetit auf den soeben angekündigten Longplayer.

Auf der Bandseite https://atriumofficial.bandcamp.com/ könnt ihr euch das neue Werk anhören und herunterladen, oder ihr gewinnt eine Kopie gleich hier:

Da Rockin´ Paparazzo dieses Jahr sein 5-jähriges Jubiläum feiert, gibt es das Album einmal zu gewinnen und zwar in der limitierten nummerierten und von den Bandmitgliedern signierten Version. Alles was ihr dafür tun müsst, ist hier zu kommentieren, welcher Song von „The Tide“ euch am besten gefällt und warum.*

Bis dahin votet für die Band unter http://www.battleofthebands.com/u/Atrium damit die dritte Teilnahme bei der Warped Tour gesichert wird. Bleibt nur zu hoffen, dass der angekündigte Longplayer den Sprung über den Teich auch endlich live ermöglicht.

„The Tide“, der Titeltrack des aktuellen Albums:

Links:
Facebook: https://www.facebook.com/AtriumVA
Shop: https://atriumofficial.bandcamp.com/
Warped Tour Voting: http://www.battleofthebands.com/u/Atrium

*Teilnahmebedingungen für die Album-Verlosung: Die Verlosung erfolgt unter allen Teilnehmern aus Deutschland, die im Kommentar die geforderten Angaben machen. Ein Versand des Preises erfolgt an eine Deutsche Postanschrift, die der Gewinner per E-Mail übermitteln muss. Teilnahmeschluss für die Verlosung ist der 30. Juni 2015, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Alternativ kann die Antwort auch an folgendes Postfach gesendet werden: Totto <\at/>RockinPaparazzo.de

Newcomer des Jahres 2013: Atrium – Punkrock aus Charlotte, NC

12 Apr

Ich habe in den letzten drei Jahren eine Menge Bands aus aller Welt kennen gelernt. Wer mir auf facebook über die Schultern geschaut hat, hat eine ungefähre Vorstellung von der Bandbreite und dem Ausmaß der großartigen Bands aus allen Kontinenten, die in vielen Fällen noch nie ein Plattenlabel gesehen haben. Doch neben all den guten und oft mehr oder weniger eigenständigen Bands gibt es nur selten eine Truppe, die mich mit ihren Songs packt, gegen die Wand bläst und auch nach vielen, vielen Durchläufen einfach nicht mehr los läßt. Bisher geschieht dies etwa einmal im Jahr, was mich dazu veranlasst, eine neue Kategorie beim Rockin´ Paparazzo einzuführen: Den Newcomer des Jahres. Nach BwD, Saint Lu und Divine Ascension bin ich erneut sehr früh in diesem Jahr über eine dieser noch gänzlich unbekannten Perlen gestolpert:

Atrium aus Charlotte, NC / USA

Was aber macht einen Newcomer heutzutage aus, der es noch schafft, inmitten von hunderttausend anderen Bands weltweit wirklich extrem positiv aufzufallen? Entweder man hat eine einzigartige Stimme, wie beispielsweise Saint Lu sie ihr eigen nennt, oder man besticht durch tolle Kompositionen und das Gesamtbild. Bei Atrium trifft irgendwie beides ein wenig zu. Obwohl bei der Sängerin Emily Allen womöglich nicht jede Intonation zu 100 % sitzt, so kann ich mir doch absolut keine bessere Röhre vorstellen, als eben die ihrige. Die Inbrunst mit der sie ihre Lines in meine Gehörgänge drillt, ist oberste Rockliga. Die genialen „Oohhs´n´Aahhs“, wie Bad Religion so schön formulierten, also eingängige Hooks unter ausschließlichem Gebrauch von Vokalen, klangen eben seit jener Punkrock Legende nicht mehr so schön, wie bei Emily Allen. Wenn die Dame nichts falsch macht, kann ich mir einen langen Weg in der Rockgeschichte der Zukunft für sie vorstellen. Offenbar gibt es aber zu dem typischen Aushängeschild der Frontfrau einen kongenialen Schatten: Gitarrist und Sänger Paul Ward zeichnet sich nämlich neben der Sängerin für alle Kompositionen und Texte mit verantwortlich. Gemessen an der Tatsache, daß alle Bandmitglieder noch zur Schule gehen, oder dies zumindest noch bei Veröffentlichung ihrer Debut-Ep taten, sind die lyrischen Beiträge umso bemerkenswerter. Die emotionale Tiefe der Songtexte läßt vermuten, hier lebt zumindest eine sehr alte Seele in einem jungen Körper. Wenn die vermittelten Qualen nicht selbst erlebt wurden, kann man kaum so treffliche Worte für diese finden. Mir jedenfalls jagt der Gedanke an die vermutlichen Erlebnisse dieser jungen Künstler einen Schauer über den Rücken. Ansonsten hat sich mit den harten Rockriffs ein treffliches Medium für den Blick der Band auf eine ungemütliche Welt gefunden.

Bei der grandiosen Debut EP „Post Script“ aus 2011 komplettierten noch Chris Suter an der Gitarre und Taylor Stalfort am Schlagzeug die Band. Anno 2013 liest sich das Line-up wie folgt:

Emily Allen – Vocals
Paul Ward – Guitar/Vocals
Chris Suter -Drums
Evan Schmitt – Bass.

Musikalisch hat sich in den Grundzügen nicht viel verändert. Noch immer gibt es Punkrock, der an manchen Stellen ein wenig von den Ramones aufblitzen läßt, ansonsten aber vielmehr an Green Day erinnert. Dabei ist der weibliche Gesang nicht der einzige Unterschied: Im direkten Vergleich haben Green Day echte Happy Songs geschrieben. Atrium klingen düsterer, ernster und wütender. Mit dem Material aus dem „Post Script“ Debut konnte sich die Band aus Charlotte bereits 2012 einen der heißbegehrten Slots auf der Vans Warped Tour sichern. Auch im diesjährigen Voting steht die Band hoch im Kurs. Mit dem absoluten Kracher „The City“, der Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde, sollte die erneute Teilnahme eigentlich im Rahmen des Machbaren liegen. Dieser Track ist in meinen Augen nicht weniger als die Hymne einer ganzen Generation. Umso bedauerlicher, daß diese „The City“ noch nicht für sich entdeckt hat. Auch nach dem fünfzigsten Durchgang hat dieser Song noch nichts von seiner erhabenen Wut verloren.



Soweit die harten Fakten. Der Rest ist pure Emotion: Lange schon hat mich keine Band mehr so berührt, wie eben Atrium es derzeit schaffen. Wenn ich die EP und „The City“ gehört habe, starte ich mit einem derart positiven Kick in den Tag, wie es in dem tristen Winter sonst nur selten der Fall war. Sollte euch diese Band auch einfangen, möchte ich noch einen Appell mitgeben: Rettet die Musikszene und unterstützt gerade die jungen Künstler durch den Erwerb legaler Downloads oder CDs! Ich erfreue mich jedenfalls immer wieder, wenn ich die liebevoll gestaltete, limitierte „Post Script“ Ep als CD in den Händen halte. Und sollte euch Atrium ebenso sehr begeistern, schenkt ihr ein Votum für die Vans Warped Tour unter http://www.battleofthebands.com/u/Atrium.

Atrium im Web:
https://www.facebook.com/AtriumVA#!
http://www.youtube.com/user/AtriumVA
http://twitter.com/#!/AtriumOfficial

Veröffentlichungen:
Post Script EP im Juni 2011, Eigenrelease
„The City“ Single, 2013

Divine Ascension „As the Truth Appears“ – Ein Debut als Anwärter auf das Album des Jahres

4 Dez Divine Ascension - As the Truth Appears
Divine Ascension - As the Truth Appears

Divine Ascension - As the Truth Appears

Die ersten paar Takte klingt „As the Thruth Appears“ von Divine Ascension aus Melbourne wie eine beliebige Powermetal Band aus den 80ern. Auch im folgenden finden sich viele Anleihen bei bekannten Helden der letzten 25 Jahre: Die Riffs und Soli klingen immer wieder mal nach Helloween und somit unweigerlich auch nach Iron Maiden, im nächsten Moment erinnern sie dann plötzlich eher an Dream Theater. Die opulenten Synthesizer Klänge könnten wiederum für eine der unzähligen Goth- oder Symphonic Metal Combos stehen, wie es sie derzeit wie Sand am Meer gibt.

Doch jeder dieser Vergleiche hinkt. Bereits beim Opener „Answers“ nimmt einen die kräftige Midrange Stimme von Jennifer Borg gefangen. Nicht nur das, bei diesem Track liefert sie sich gleich ein perfektes Gesangsduell mit Gastsänger Silvio Massaro. Es gibt unzählige Duette in der Musikgeschichte. Und mal ehrlich, nicht jedes Duett geht über einen bloßen Wechselgesang hinaus, der gut und gerne auch von einem einzelnen Sänger übernommen hätte werden können. So offenbart sich bei diesem ersten Song schon die unglaubliche Stärke dieses Debutalbums: Die Kompositionen. Dieses Duett ist eines der besten in der Rockgeschichte, harmonischer und runder kann man zwei Stimmen kaum arrangieren. Aber auch im Verlauf des gesamten Albums ist die Ideenvielfalt trotz der vermeintlich unzähligen Anleihen bei den Größen der Rockgeschichte der Quell für inspirierenden und eigenständigen progressiven Metal.
„As the Truth Appears“ kokettiert mit Dream Theater, ohne dabei jemals zu technisch zu werden. Vielmehr zelebrieren Divine Ascension ihre Musik in der epischen Breite eines Filmscores mit dem Gefühl für Melodien wie es beispielsweise trotz der komplexen Strukturen Heir Apparent in den 90er Jahren schafften. Jennifer Borg erinnert dabei mit ihrem Gesang ein wenig an Janet Gardner von der 80er „Vixen“ Besetzung.

Wenn man nun etwas kritisieren wollte, dann ist es lediglich die Länge des Werkes. Die knapp 50 Minuten Spielzeit vergehen einfach viel zu schnell. Neben Machine Heads „Unto the Locust“ ist „As the Truth Appears“ für mich eines der großartigsten Alben in 2011 und zieht damit locker an Größen wie Evanescence und Within Temptation vorbei. Damit ist das Debut von Divine Ascension ein heißer Kandidat für mein persönliches Album des Jahres.

5/5

Divine Ascencion – As the Truth Appears
Nightmare Records
UPC: 734923006404
Genre: Symphonic, Progressive Metal/Female fronted
Release Date: October 11, 2011
Format: CD & MP3

Plattenteller: Back with Darkness (BwD) – Angry Pop aus Hamburg

7 Nov Wrong Expectations

Heute möchte ich euch im Plattenteller mal eine Band vorstellen, die es noch nicht in die Regale eures vertrauten Plattenladens geschafft hat, aber dennoch nicht minder wert ist, entdeckt zu werden. Die Rede ist von der „Chaotentruppe“ „Back with Darkness“ aus Hamburg.

Laut Bandseite erwartet den Hörer kurzgefaßt etwa folgendes: „Drückende Gitarrenwände gepaart mit einer geballten Ladung Power und der ausdrucksstarken Stimme Melanie von Holtens, ließen den Eindruck entstehen, als wären Skunk Anansie heimlich eine Liaison mit Doro Pesch eingegangen.“

Den Vergleich mit Skunk Anansie unterschreibe ich sofort. Die Tatsache, daß die Stimme von der Sängerin Melle etwas druckvoller und tiefer klingt, läßt zwar die Tendenz in Richtung Doro zu, aber als Vergleich läßt sich womöglich noch etwas passenderes finden, VK Lynne fällt mir spontan ein, trifft es aber auch noch nicht so ganz. Wie auch immer: Vor mir liegt der in Eigenregie entstandene Longplayer „Wrong Expectations“. Falsche Erwartungen waren es nicht, die mich jüngst dieses Werk haben bestellen lassen, soviel vorneweg. Back with Darkness, das sind: 

Wrong Expectations

Wrong Expectations

 

Melle – Vocals
Jansen – Gitarre
Sanny – Baß
Giesela – Drums

Aber nun zur Musik, die Back with Darkness, oder auch BwD selber als „Angry Pop“ titulieren. Die oben angeführten Vergleiche zeichnen aber bereits den Härtegrad vor, der die Musik der Hamburger Band bestimmt. Indie Rock wäre also durchaus auch angemessen.

 1. Excusez moi
Der Opener kracht gleich ordentlich los, eine Abrechnung mit jemandem, der einen offensichtlich nicht weiter gebracht gebracht hat und es nun nicht wirklich schafft, loszulassen. Die Wucht, mit der die Gitarrenwand und die Rhythmussektion losgehen, dürfte eigentlich keinen Körper bewegungslos zurücklassen. Die hier noch ansatzweise an Skin erinnernden, manchmal mehrstimmigen Vocals prägen bereits diesen ersten Track.

 2. Break the Law
Ein eigenwilliger Discosound leitet diesen Titel ein und obwohl zwischenzeitig Melles Rockröhre angeschmissen und die Gitarren gezündet werden, schimmert doch immer wieder ein eigenwilliger Sound durch, den ein Rockerherz nicht so recht einzuordnen vermag. Somit ist diese Aufforderung zu einem kleinen Liebesbeweis nach den ersten Durchgängen auch nicht mein Highlight des Albums.

 3. Anything at All
Etwas ruhiger startet dieser Song, der im weiteren Verlauf einiger Tempowechsel eine Rücksicht auf eine gescheiterte Beziehung bietet. Ein guter Rocksong, der die kraftvolle, etwas dunklere Stimme von Melle präsentiert.

4. Spaceman
Wer spätestens hier bei den ersten sphärischen Klängen und auch im weiteren gesamten Verlauf des Songs sich nicht an Skin von Skunk Anansie erinnert fühlt… erstmals zieht Sängerin Melle weitere Register ihres Könnens und offenbart, welche herausragenden Qualitäten die noch halbwegs unbekannte Frontfrau besitzt. Die ebenfalls herausragende Komposition dieses Songs mit den unterschiedlichen Spielarten der Gitarren, vom harten Brett über das langsame Anzupfen einzelner Seiten, runden Spaceman zu dem ersten Höhepunkt dieses Albums ab.

5. Gasolina
Einer der Songs, der mich beim Stolpern darüber im Web dazu brachte, mich in Back with Darkness zu verlieben. Ergo gleich ein weiterer Höhepunkt des Longplayers. Gasolina ist ein Midtemporocker, der aber nicht sanft unsere Sinne umspült, sondern recht brachial den Schmerz nach einer Trennung heraus schreit. Das sehenswerte Video zu diesem Song ist im übrigen eine Empfehlung am Rande. Um zu verdeutlichen, wie sehr sich hier auch musikalisch „Luft gemacht“ wird, ein kleiner Ausschnitt aus den Lyrics:

„You are a tragic waste of skin
one good reason for birth control
now old sparky is calling your name
inviting you to take a seat
you should be nailed with rusty spoons
should be drowned in gasoline
i will light you up to make me clean
burn in hell“

Fazit: Brutal aber doch sehr eingängig. Diesen Song kann ich tatsächlich jedem empfehlen, der soeben verlassen wurde. Ein perfekteres Gewitter kann man zur Selbstreinigung nicht zelebrieren.

6. Au revoir
Ein weiterer Song, der die starken Qualitäten der Sängerin ausspielt. Stets rockig, doch mit einer ordentlichen Portion Gefühl beschreibt Melle das Loslassen einer Liebe. Und tatsächlich, hier blitzt ein wenig Doro durch…

7. Drama in the D.I.S.C.O
Ein Uptempo Start verspricht eine ordentliche Party. Doch ungewohnte Klänge stören die Idylle. Eine weitere Abrechnung: Lügen lassen schnell mal etwas aus dem Takt geraten. Welches Drama in der Disco tatsächlich zu diesem Song geführt hat, möchte ich eigentlich lieber nicht wissen. Mein Kopfkino spielt mir jedenfalls Szenen ein, die einem möglichen beteiligten Protagonisten die Wut in die Fäuste steigen lassen. Ein weiterer Beweis für den offensichtlich stilsicher gewählten Begriff für die eigene Musik.

8. Poems of a Midnightstalker
Ein wummernder Bass lädt zur nächsten Reise ein. Melle steigt mit ungewohnten Klängen in diesen Song ein, bevor zum Chorus ordentliche Gitarrenwände die Luft zum vibrieren bringen. Einer der härteten Track des Albums und aufgrund des Spiels mit Horrorelementen in den Vocals vielleicht auch der mit am wenigsten massenkompatible Song des Albums. Beim ersten Hören war ich ebenfalls etwas irritiert, inzwischen gefällt mit dieses kleine mitternächtliche Spektakel aber ziemlich gut. Der Song wächst mit genauem Hinhören.

9. Undefined Memories
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch dieser Song. Die Gesangslinie klingt in weiten Teilen wie ein Ausflug Melles in ein anderes Fach, nur um sich dann wieder die Seele aus dem Leib zu schreien. Der Baßteppich und die sägenden Gitarren runden diesen Lowtemporocker zu einem ungewöhnlichen Hörgenuß ab. Auch dieser Song wächst bei mir nach mehrmaligem Hören, gerade über Kopfhörer.

10. S.N.U.D.S.F.
Der einzige Song mit deutschem Text. Hier zeigen Back with Darkness eine weitere Facette ihrer Vielseitigkeit. Bekannterweise liegt das Spiel mit deutschen Texten nicht jeder Band. Das die Hamburger dies auch drauf haben, davon solltet ihr Euch nun selber überzeugen, denn nach gut 35 Minuten Spielzeit sind wir bereits am Ende des Werkes angelangt.

Back with Darkness

Back with Darkness

Eventuelle und dann wenige Kritikpunkte lassen sich angesichts einer Gesamtbetrachtung schnell und unbedenklich unter den Teppich kehren. Der ungewohnete Genremix in Break the Law beispielsweise spricht letztlich für die Vielseitigkeit der Band, was beim ersten Hören womöglich erst einmal verdaut werden will. De facto kenne ich keine Band, die ähnlich klingt, wie eben Back with Darkness. Dies ist nicht zuletzt dem außergewöhnlichen Gesang von Melanie von Holten zu verdanken. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal kommt folglich eine gelungene und frisch klingende Abwechslung auf Euren Plattenteller, bei der es verwunderlich erscheint, warum sich noch kein Label gefunden hat. Back with Darkness klingen vielleicht so, wie Skin bei Silbermond, wenn diese deutlich härter geworden und bei ihren englischen Texten geblieben wären. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn wir hierzulande noch einiges an Angry Pop zu hören bekommen. Zumal die Videos, die im Web auffindbar sind, für eine ordentliche Livequalität sprechen, welche die hier versuchsweise beschriebene Energie hervorragend umzusetzen scheint und beispielsweise an die großen Tage einer Yvonne Ducksworth (Jingo de Lunch) erinnert. Die Mischung aus Rock, ein wenig Pop, einer Dosis Punk und alles eben schön Angry vorgetragen zündet bei Liebhabern von rockigen Klängen abseits der längst ausgetretenen Pfade, jedoch spätestens mit dem Gesang von Melle.

Das ordentlich produzierte Album ist über die Band für knappe 10 Euro inklusive Versand bestellbar. Eine aktuelle EP gibt es gegen einen kleinen Aufschlag ebenfalls. Diese beiden Perlen tragen mich hoffentlich zu meinem ersten BwD Gig, der leider derzeit noch in den Sternen steht. Wer es an einem Sonntag nach Hamburg schafft, hat jedoch schon in kürze Gelegenheit, sich live überzeugen zu lassen.

www.backwithdarkness.de
http://www.myspace.com/backwithdarkness

© 2010 Totto für Rockin´ Paparazzo